Geschichte

Entwicklung der Jugendfeuerwehren im Landesfeuerwehrverband Schleswig Holstein

Wenn Euch die genauen Mitgliederzahlen der Jugendfeuerwehren im Lauf der Jahre interessieren, ladet Euch folgendes Dokument herunter:
Darstellung der Mitgliederentwicklung seit 1964

Jugendfeuerwehr - ein alter Gedanke

Der Landesfeuerwehrverband besteht seit über 125 Jahren, kaum jünger ist der Gedanke, Jungen in die Feuerwehr einzubeziehen, wenn gleich damals andere Motive als heute ausschlaggebend waren. So wurden bereits 1865 an dem Internat zu Wernigerode und 1880 an der Internatsschule zu Salzwedel Gymnasial Feuerwehren gegründet. Man wollte "die Zöglinge körperlich ertüchtigen und sie zum Dienst am Gemeinwohl erziehen". Die Freiwillige Feuerwehr Gelenau (Kreis Zschopau / Schlesien) stellte 1879 eine Zöglings Compagnie" auf, die wohl schon eher das Ziel der Feuerwehr Frühausbildung verfolgte. Die vierte deutsche Jugendfeuerwehr entstand bereits in Schleswig Holstein. Auf der Insel Föhr waren in den Sommermonaten die Männer zum Walfang und in der Seefahrt unterwegs. Den Frauen oblag das Löschen bei Feuersbrünsten, und was lag näher, als die Schuljungen in diese Arbeit einzubeziehen. Der JF Oevenum liegt das Gründungsprotokoll vom 20. Februar 1882 noch im Original vor. In schneller Folge entstanden auch in Alkersum (1883) und Nieblum (1888) Jugendfeuerwehren.

Bis zum Beginn des 1. Weltkrieges 1914 bildeten sich in Deutschland rund 25 Jugendfeuerwehren, die Mehrzahl allerdings als Schülerfeuerwehren an Lehrerseminaren, Baugewerkschulen, Ackerbauschulen und Internatsgymnasien.

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1914-1918 - die Männer an der Front

Wer tauglich war, wurde Soldat. Die Freiwilligen Feuerwehren dünnten sich aus. Jugendliche wurden der Not gehorchend in den Brandschutz eingebunden. So finden wir in alten Aufzeichnungen die Gründung der Jugendfeuerwehren Bad Oldesloe (1914), Husum (1917) und Borgsum / Föhr (1918). Sehr häufig wurden aber in den Kriegsjahren junge Leute reguläre Mitglieder Freiwilliger Feuerwehren.
Die "Schleswig Holsteinische Feuerwehrzeitung" Nr. 53 / 1916 vermerkt sehr lobend den erfolgreichen Einsatz von sechs Jungmannschaften bei einem Großfeuer in Wesselburen. Während der Kriegsjahre mehrten sich zudem die Stimmen bis hin zu amtlichen Verlautbarungen die die Feuerwehren als gute Möglichkeit der "vormilitärischen Ausbildung" empfahlen.

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Weimarer Republik und Drittes Reich

Auch wenn  viele Männer nach dem 1. Weltkrieg in die Freiwilligen Feuerwehren zurückkehrten und sie neu aufbauten, wurde bereits 1920 auf dem Verbandstag in Ratzeburg wurde das Thema “Jugendfeuerwehr“ besprochen, „fand aber nicht die richtige Würdigung“. Erst nach Ende der Inflationszeit wurde die Idee der Jugendfeuerwehr, „die, richtig geleitet, ganz gewiß großen Erfolg versprechen“,  wieder aufgegriffen.Auf dem Kreisfeuerwehrtag in Plön am 6. Juli 1924 erklärte der Plöner Landrat: „Ich sehe darin eine sehr ernste Erziehung unseres (…) Nachwuchses. Die freiwilligen Feuerwehren sind ein Mittel zur körperlichen Ertüchtigung unserer Jugend“.

Tatsächlich gründete Kreisbrandmeister Paulsen (Kreis Flensburg-Land) am 6. Juni 1924 im Amt Esgrus Jugendfeuerwehren und fasste sie als Abteilung Niesgrau-Koppelheck zusammen. Weitere Gründungen erfolgten 1925 in Midlum auf Föhr, Erfde und Halstenbek, 1927 in Lägerdorf und 1928 in Plön sowie in Kappeln (Kreis Schleswig Flensburg) und Itzstedt (Kreis Segeberg) den Jahren 1931 und 1932.

1933 begann das Dritte Reich. Die männliche Jugend wurde im Jungvolk und in der Hitler Jugend" (HJ) organisiert. Marine HJ, Flieger HJ und Motor HJ entstanden. Aber an einer "Feuerwehr HJ" hatte die Reichsjugendführung kein Interesse. Ihr Reichsbefehl Nr. 22/1 vom 19. Juni 1936 ordnete an, dass die Betätigung von HJ Eiheiten in den Dörfern im Dienst der örtlichen Feuerwehren zwar genehmigt, Aufstellung von Feuerwehr HJ Einheiten aber ausdrücklich verboten sei. Das war Tod der Jugendfeuerwehren bis 1940. Dann jedoch mussten die Männer wieder an Front, und es bildeten sich zunehmend aus örtlichen HJ Einheiten im Rahmen "Streifendienstes" sogenannte HJ Feuerwehr Scharen.Sogar Lehrgänge für "Gruppen und Zugführer der Gebiete Hamburg und Nordmark" wurden an der Provinzial Feuerwehrschule in Harrislee durchgeführt. Viele dieser HJ Jungen haben auf diese Weise in schweren Einsätzen während und nach Luftangriffen auf unsere Städte kaum Glaubliches geleistet, nicht wenige wurden verletzt oder gaben sogar ihr Leben. Allerdings lagen, wie bereits im 1. Weltkrieg, die Beweggründe nicht in der Jugendarbeit, sondern die Jungen waren "Lückenbüßer", die die Frontsoldaten in der Heimat ersetzen mussten.

 

 

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Der Aufbau im demokratischen Staatswesen

Deutschland war zerstört, litt Not, das "tausendjährige Reich" währte nur zwölf Jahre. Doch schon rührte sich vereinzelt der Gedanke, Jugendarbeit zu betreiben und neben anderen Jugendorganisationen auch wieder Jugendfeuerwehren zu gründen. In Schleswig Holstein war wiederum die Insel Föhr Vorreiter: 1948 gründete die Gemeinde Boldixum eine Jugendfeuerwehr. Ihr folgten 1953 Lübeck Dummersdorf und Niebüll (Kreis Nordfriesland), 1956 Wrixum und Wyk / Föhr, 1957 Klein Wesenberg (Kreis Stormarn), Satrup (Kreis Schleswig Flensburg), Tönning (Kreis Nordfriesland), Utersum / Föhr, sowie die Wiedergründungen in Husum und Plön.

Von weiteren Aufzählungen soll hier Abstand genommen werden, denn nun ging es Schlag auf Schlag.

Jugendfeuerwehren nehmen langsam Gestalt an, die Feuerwehrverbände sind gezwungen, Stellung zu beziehen. So entbrennt eine Diskussion in Fachkreisen, die auch schon uralt ist. Klagte doch in der "Württembergischen Feuerwehrzeitung" am 6.7.1902 ein Autor: "Wo bleiben die jungen Leute? Sie wollen nicht mehr gerne zur Feuerwehr gehen, sie haben keine Zeit mehr dazu vor lauter Lustbarkeit und verschiedenem Sport!" Aber auch die andere Seite war schon früh zu hören. So wird ein Beschluss des Rheinisch Westfälischen Feuerwehrverbandes auf den Antrag zur Gründung von Jugendfeuerwehren im Jahre 1884 zitiert: ....denn wir sind Männer, wir wollen nicht mit der Jugend arbeiten, wir wollen unsere Manneswürde wahren. Bringen Sie unser Institut nicht auf solche Abwege!"

Bereits auf dem Deutschen Feuerwehrtag in Ulm 1953 fiel ein Antrag des DFV Präsidenten Albert Bürger und seines Generalsekretärs, HBM Benno Ladwig, zum Tagesordnungspunkt "Nachwuchsförderung" der Ablehnung der Delegierten zum Opfer.
Während an der Basis der Bundesrepublik ständig neue Jugendfeuerwehren entstanden, arbeitete Benno Ladwig unermüdlich an seinem Plan weiter, bundesweit einheitliche Organisationsforum zu schaffen und einzuführen. Er bekam bald Unterstützung durch den Geschäftsführer der Feuerwehr Unfallkasse Schleswig Holstein unserem späteren Landesbrandmeister Paul Augustin. Beide kämpften unermüdlich weiter für die Sache der Jugendarbeit in der Feuerwehr und erarbeitet en die erforderlichen Unterlagen für Gründung und Bestand der Jugendfeuerwehren. Inzwischen findet anlässlich des Landesfeuerwehrtages 1963 in Neumünster das erste, mehrtägige Jugendfeuerwehr Zeltlager statt.

Ausdauer und Überzeugungskraft führten zum Erfolg. DFV Präsident Albert Bürger und sein Vizepräsident, unser schleswig holsteinischer Landesverbandsvorsitzen Jonny H. Matthiesen brachten das Thema Jugend in der Feuerwehr" immer wie beharrlich zur Sprache von Benno Ladwig und Paul Augustin unterstützt.

Dann endlich, am 31. Oktober 1964 wurde in Berlin die "Deutsche Jugendfeuerwehr gegründet, die erste deutsche Jugendordnung beschlossen und der damalige Oberbrandmeister Paul Augustin kommissarisch zum ersten Bundesjugendleiter berufen. Zum damaligen Zeitpunkt bestanden in der Bundesrepublik Deutschland 295 Jugendfeuerwehren. Ein Vergleich sei an dieser Stelle gestattet: Heute gibt es alleine Schleswig Holstein 386 Jugendfeuerwehren.

Erster Landes Jugendfeuerwehrwart in Schleswig Holstein wurde 1965 Horst Götz aus Leck Nordfriesland, der dieses Amt bis 1977 inne hatte.1965 gab es in Schleswig Holstein 56 Jugendfeuerwehren mit 952 Mitgliedern.
Zweiter Landes-Jugendfeuerwehrwart wurde Dietrich Barske aus Braak (1977 - 1985).
Ihm folgte Hugo Schneekloth aus Heikendorf (1985 - 1991).
Bis 1991 stieg Zahl der Jugendfeuerwehren kontinuierlich bis auf 227 mit 4.702 Mitgliedern an.

Ab 1991 wurde die schleswig holsteinischen Jugendfeuerwehren im Landesfeuerwehrverband vom 1. HBM Hans Alfred Plötner aus Schönwalde am Bungsberg als Landes Jugendfeuerwehrwart geführt.
Auf der Landesfeuerwehrversammlung 2005 übergab der 386 Jugendfeuerwehren mit 9456 Mitgliedern an seinen Nachfolger Hauke Ohland aus Eckernförde.
Ihm zur Seite stehen seine beiden Stellvertreter Wilfried Vater aus Halstenbek und Sascha Keßler auf Flensburg.

Im Landes Jugendfeuerwehrausschuss halten die Kreis- und Stadt Jugendfeuerwehrwarte des Landes sowie einige Fachbereichsleiter die Fäden in der Hand.
Sie werden seit September 1994 durch einen hauptamtlichen Bildungsreferenten in der Landesgeschäftsstelle wesentlich entlastet.

Gegenwärtig ist die Jugendfeuerwehr ein fester Bestandteil unseres Feuerwehrwesens und aus unserer Arbeit nicht mehr wegzudenken. Erster Gedanke ist, jugendlichen ein Angebot zu machen, ihnen die Möglichkeit zu geben, eine feste Bindung in eine Gemeinschaft zu haben, wie auch in anderen Verbänden und Vereinigungen im sportlichen, kirchlichen, musischen oder politischen Bereich. Längst sind Mädchen ein fester Bestandteil der Jugendfeuerwehren und finden mit 16 Jahren Aufnahme in die Einsatzabteilungen. Per 31. Dezember 2005 versahen in Schleswig Holstein 7286 Jungs und 2196 Mädchen Dienst in 386 Jugendfeuerwehren so viel wie nie zuvor.

Jugendarbeit heißt, eine Gemeinschaft zu erleben, sich in ihr geborgen zu fühl Spiele, Basteln, Disco, Musizieren, bei Fahrten oder Zeltlagern dabeizusein, moderne Technik zu erleben, Mitmenschen zu helfen, sich innerhalb der Gruppe unbedingt den Anderen verlassen zu können, das ist die andere Seite der heutigen Jugendfeuerwehr. Sich in Demokratieverständnis zu üben, den "Vorstand" selbst zu wähl Mehrheitsbeschlüsse zu akzeptieren das ist die Gruppenerfahrung. Disziplin wahren, sich bedingungslos in die Gruppe einbringen, bei Übungen zum späteren Einsatz den notwendigen Befehl und Gehorsam zu lernen ohne widerspruchslos alles hinzunehmen und nichts kritisch zu hinterfragen das ist die Feuerwehrseite der Jugendgruppe. Und immer wieder wundern wir uns, mit welcher Begeisterung sich die jungen Menschen ein und unterordnen, wenn sie den Sinn dazu erkannt haben.

Dank gilt allen Betreuern und Jugendfeuerwehrwarten, die in dieser langen Entwicklungszeit viel Arbeit in die jungen Menschen investiert haben und ihnen eine Gemeinschaft gaben und auch weiterhin geben, in der sich Jugendliche bestätigt fühlen.

Der Erfolg hat ihnen Recht gegeben.

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